Meine Bewerbung zum Fachinformatiker – Anwendungsentwicklung

-- 06.August 2006 (#68)

Nachdem ich nun einige Einträge zum Thema Ausbildung und Bewerbung gemacht habe, möchte ich diese Akte nun mit meiner eigenen Bewerbung abschließen.

Mein Lebenslauf ist eigentlich unspektakulär, von Bruch- und Risikobiografie nichts zu sehen. Ich hatte keine zerrüttete Kindheit, keine ständigen Wohnsitzwechsel, keine schwere Krankheit, keine Schulwechsel und bislang auch keine auffälligen Lücken im Lebenslauf. Der einzig erklärungsbedürftige Punkt in meinem Lebenslauf ist das angefangene Informatik-Studium, deshalb stellt sich also die Frage: „Wie erkläre ich einen Studiumsabbruch in der Bewerbung?“.
Manche Studenten befürchten als Versager zu gelten, wenn sie an einen Abbruch denken. Folge ist, dass man immer mehr Semester erfolglos verstreichen lässt und es immer schwieriger wird die Maskerade vom erfolgreichen Neuakademiker aufrecht zu halten. Das ist Quatsch, ein Abbruch ist kein Beinbruch.

Von mir selbst kann ich nämlich sagen, dass der Abbruch des Studiums von keinem der Firmen, wo ich mich vorgestellt habe (14 Vorstellungsgespräche), ein K.O.-Kriterium war (ansonsten hätten sie mich ja auch nicht eingeladen). In einigen Stellenanzeigen wird sogar explizit darauf hingewiesen, dass auch gerne Bewerbungen von Studiumsabbrechern entgegen genommen werden. Ich vermute sogar, dass manch eine Firma Studiumsabbrechern wegen ihrer zusätzlichen theoretischen Erfahrung und geistigen Reife bevorzugen und man davon ausgeht, dass diese Bewerber vom Studieren erstmal genug haben und sich nach der Ausbildung nicht sofort wieder immatrikulieren.

Ein abgebrochenes Studium ist also kein Problem, man muss nur früh genug merken, dass das Studium ein Holzweg ist und die Notbremse ziehen. Am besten wäre es, seine Entscheidung noch vor dem Vordiplom zu fällen, denn sonst verschenkt man nur seine Zeit und ein hohes Alter ist für die Bewerbung zur Ausbildung selten ein Pluspunkt.

In meiner Bewerbung habe ich den Punkt Studiumsabbruch direkt zur Sprache gebracht und damit begründet, dass mir das Informatik-Studium zu praxisfern sei und nicht unbedingt meinen Interessenschwerpunkten entspräche. Dass man das Studium auch wegen der Mathematik abbricht, muss man dem Personalleiter ja nicht gleich unter die Nase reiben. Da sich bei mir schon im 1. Semester anbahnte, dass das Studium wohl nur ein kurzes Gastspiel wird, aber bis zum Ausbildungsbeginn (1. August) noch einige Monate ins Land gehen werden, fixierte ich meine Bemühungen auf das Bestehen der Informatik-Klausur. Die Klausur bestand ich, sodass ich das als Zusatzqualifikation in der Bewerbung vermerken konnte und damit demonstrierte, dass ich in Informatik halbwegs fit bin. Die Themen der Klausur konnte ich dann auch wunderbar im Anschreiben verwursten und zusätzlich Grundkenntnisse in den Programmiersprachen Scheme und Java für mich verbuchen.

Wichtig ist nur, mit dem Studiumsabbruch offensiv und selbstbewusst umzugehen und dieses Thema nicht unter den Tisch kehren zu wollen. Dennoch sollte man darauf vorbereitet sein, dass der Abbruch auch im Vorstellungsgespräch nochmal zur Sprache kommt und man dann eine plausible Erklärung parat haben sollte. So weit ich mich erinnere musste ich mich in mindestens der Hälfte der Vorstellungsgespräche nochmals für den Abbruch „rechtfertigen“.

So, nun kommt aber meine Bewerbung:
Anschreiben (PDF)
Lebenslauf (PDF)