Wie manche Firmen mit Bewerbungsmappen umgehen

-- 28.Juli 2006 (#64)

Ich habe auf Stellenanzeigen 27 Bewerbungen geschrieben. 23 davon waren Bewerbungsmappen, 4 E-Mail-Bewerbungen. Es haben mir 7 Firmen bis zum 28.07. (zur Erinnerung: am 01.08 ist gewöhnlich Einstellungstermin) nicht geantwortet, 2 Firmen haben mir meine Unterlagen erst 5 Tage vor dem 01.08 mit einer Absage zukommen lassen, also zu einem Zeitpunkt, wo eh klar war, dass die Bewerbungsphase vorbei ist. Unterm Strich bedeutet das also, dass bei meinen Bewerbungen 25% bis 33% keiner geantwortet hat oder die Antwort über die Maßen hinaus auf sich warten ließ. Dazu bekomme ich noch 5 Bewerbungsmappen zurück. Immerhin: Die Bewerbungsmappen die ich zurückbekam sind in einem sehr guten Zustand.

Ist es manchen Firmen wirklich so lästig, seinen Bewerbern in einer adäquaten Zeit eine Rückmeldung zu geben? Die Personalleiter wissen doch bei der ersten Durchsicht der Mappe eh sofort, ob jemand als Auszubildener in Frage kommt oder nicht. Dann können sie die Unterlagen doch auch direkt zurückschicken oder wenigstens eine kurze E-Mail versenden, ob man noch im Rennen ist oder nicht. Viele Leute sitzen auf glühenden Kohlen und hoffen bis kurz vor Schluss auf eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Eine trügerische Hoffnung, denn mir muss als Bewerber doch bewusst sein, dass ich 5 Tage vor dem Einstellungstermin nicht mehr mit Vorstellungsgesprächen zu rechnen habe. Stattdessen sitzt man da und muss auch noch darum betteln, wenigstens seine Unterlagen wieder zurückzubekommen. Immerhin kann man ja die Mappe, das Bewerbungsbild und das Zeugnis in der Regel wiederverwenden; nach meiner Kalkulation sind das zusammen knapp 5 Euro. Wenn man aber bis zum Sankt Nimmerleinstag auf seine Unterlagen warten muss, dann bedeutet das natürlich, dass man für weitere Bewerbungen ständig neue Mappen kaufen und Bilder nachbestellen muss.

Soweit mir bekannt ist, sind Arbeitgeber bei ausgeschriebenen Stellen rechtlich dazu verpflichtet, Mappen zurückzusenden. Bei Initiativbewerbung ohne Stellenanzeige hingegen besteht keine Pflicht – verständlich, denn wenn man mit Bewerbungen bombadiert wird, geht das Porto und die Arbeitszeit auch ganz schön auf den Geldbeutel.
Nun denn, um geltendes Recht scheinen sich nicht alle zu scheren, baut man doch wohl darauf, dass keiner der Bewerber wegen 10 Euro den Rechtsweg beschreitet (wovon auch, er hat ja keine Arbeit, also kann er sich so etwas auch gar nicht leisten) oder man vertröstet die Bewerber darauf, dass sie ihre Unterlagen „in Kürze“ wiedererhalten. Manchmal gibt es auch das „großzügige“ Angebot, dass man sich seine Unterlagen abholen kann – klar, denn für einen Großteil der Bewerber, die weiter als 20 km weg wohnen, lohnt sich das natürlich nicht. Ganz dummdreist soll auch so mancher Arbeitgeber schon behauptet haben, dass die Unterlagen gar nicht eingetroffen seien. Tja, was machen die Firmen nur mit den nicht zurückgeschickten Bewerbungen? Sie schmeißen sie weg oder benutzen sie natürlich zu betriebsinternen Zwecken weiter. Ganz besonders freuen sich solche Unternehmen, wenn man noch so blöd war und einen frankierten Rückumschlag beigelegt hat, denn so hat man den Bewerber gleich doppelt abgezockt.

Sollte man seine Unterlagen (ungeknickt, unbeschrieben und auch noch ohne Kaffee-Flecken) zurückbekommen, so legen Firmen gerne ein Standardabsage bei. Manchmal ist diese völlig deplatziert, aber Hauptsache man hat dem Bewerber ein paar warme Worte auf den Weg gegeben und muss sich nicht wie ein Unmensch fühlen.

Das ist die Sicht eines Bewerbers. Allerdings kann es sich ja nicht bei jeder Firma, die so ein Gebahren an den Tag legt, um rücksichtslose Kapitalisten handeln. Sicherlich ist das Zurücksenden von Unterlagen nicht für jede neue Firma finanziell tragbar, manche sind aber auch so chaotisch organisiert, dass die Unterlagen einfach verschütt gehen. Ein Argument, was ich den Firmen sicherlich zu Gute halten will, ist, dass es viele Bewerber gibt, die von ihrem Bewerbungsberater bei der Arbeitsagentur dazu genötigt werden Bewerbungen zu verschicken. Diese Leute brauchen einen Nachweis, dass sie sich beworben haben oder bei einem Vorstellungsgespräch waren, sonst wird der Geldhahn etwas kleiner gedreht. Das Resultat ist, dass Massenbewerbungen in billiger Qualität verschickt werden. Gerüchten zufolge soll man es der ein oder anderen Bewerbung deutlich ansehen, dass sie den Weg zu einer Firma nicht das erste Mal geht. Rechtschreibfehler, falsches Datum, billige Kopien, billigste Materialien, falscher Ansprechpartner etc. pp. Wer würde als Chef einer Firma dort ernsthaft mehr Zeit und Geld in die Rücksendung der Unterlagen investieren wollen, als es der Bewerber selbst getan hat? Auch das Verfassen eine individuellen Absage kostet Zeit und die ist bei vielen solcher Bewerber schlicht vergeudet.

Auf der anderen Seite ist es aber traurig, dass man gerade Ausbildungssuchende teilweise so im Regen stehen lässt. Man kann an die Bewerbung eines 17-Jährigen sicherlich nicht dieselben Maßstäbe anlegen, wie an die Bewerbung eines bereits Ausgebildeten. Viele Jugendliche haben keine Ahnung, wie sie eine Bewerbung richtig schreiben sollen, sie lernen es in der Schule einfach falsch, das Arbeitsamt ist in der Hinsicht auch keine große Hilfe und Eltern und Lehrer haben sich vielleicht das letzte Mal vor 20 Jahren beworben. Es bleiben also nur die Freunde und das Internet. Warum das Internet so selten zu Rate gezogen wird, ist mir dann allerdings wieder schleierhaft. Die Kinder wachsen mit Handy und Internet auf und stehen damit täglich in Kontakt, sind aber regelrecht zu blöd dafür, die Möglichkeiten, die diese neuen Medien ihnen bieten, auch in die Hand zu nehmen. Sicherlich kennt jeder die Internetforen, wo Jugendliche was nachfragen und mit fast gebetsmühlenartiger Angenervtheit kommt dann ein anderer Forumsteilnehmer und verweist auf die Suchmaschine Google – tja, aber so ist, man muss viele Jugendliche mit der Nase darauf stoßen, wo sie Hilfe herbekommen.
Aber um wieder zurück zum eigentlichen Thema zu kommen: Standardabsagen sind für Jugendliche keine große Hilfe. Sie wissen nicht, was sie falsch machen, weil es ihnen keiner sagt und sie ihre Bewerbung nach besten Wissen und Gewissen verfasst haben. Auch hier wäre notfalls ein lapidarer Hinweis auf die Bewerbungstipps zu geben, die man durch Google so finden kann. Besser wäre noch ein kurzes Feedback, sodass man beispielsweise bei schludriger Gestaltung der Mappe sagen könnte, dass der Bewerber seine Unterlagen auf Grund von Formfehlern zurückbekommt – es wären also auch Standardtextblöcke möglich. Auch die naive Hoffnung vieler Jugendlicher, kurz vor dem 01.08 doch noch etwas zu finden, sollte die Betriebe eigentlich davon abhalten, die Bewerber hinzuhalten. Stattdessen müssen die Unterlagen im Falle einer Absage zügig zurückgeschickt werden, so dass gerade die finanzschwachen Jugendlichen nicht noch mehr belastet werden.