Zurzeit studiere ich Informatik an der Westfälischen Wilhelmsuniversität Münster, da die Informatik auf diesem Niveau anscheinend nicht mein Fall ist, habe ich beschlossen, die Wege als Informatiker in Form einer Ausbildung als Anwendungsentwickler fortzuschreiten.
Ich habe 20 Bewerbungen abgeschickt und bislang 6 Antworten bekommen. Bislang wurde ich zu allen Bewerbungen auch eingeladen. Mittlerweile stellt sich bei mir aber ein Frustrationsgefühl ein, denn von den 6 Einladungen endeten bereits 4 in einer Absage. Ich bin nun irritiert und denke darüber nach, was die Gründe dafür sein könnten.
Als erstes wäre da die Frage nach der Fachkompetenz und den Vorkenntnissen. Ich bin fit in den grundlegenden Internetsprachen HTML/XHTML, CSS, PHP und SQL und bin auch im Bereich der Suchmaschinenoptimierung einigermaßen bewandert. Darüber hinaus besitze ich Schulkenntnisse in Delphi/Pascal und Assembler, sowie Java-Kenntnisse aus dem ersten Informatik-Semester. Thema der Informatik-Vorlesung war neben Java auch noch die funktionale Programmierung mit Scheme (ein Lisp-Dialekt), objektorienierte Programmierung, abstrakte Datentypen (Listen wie Stack und Queue) und die Effizienz von Algorithmen. Die dazugehörige Klausur habe ich bestanden. Im zweiten Semester haben wir vorwiegend Sortieralgorithmen (Mergesort, Quicksort etc.) behandelt.
Zudem bin ich einigermaßen belesen in C/C++, JavaScript, Perl und Java und weitere Themen wie Datenbank-Modellierung mit SQL, Programmierrichtlinien, Ajax und XML. Ich besitze dazu auch Nachschlagewerke zur Informatik und Programmiersprachen generell.
In meiner Schulzeit hatte ich zwei Praktika zur Computerwartung und Prüfung von Leasing-Computern und Hardwarekompenenten. In der 11. und 12. Klasse habe ich als Aushilfe in einem Computerladen gearbeitet, bei dem ebenfalls die Computerwartung und Installation zu den Hauptaufgaben gehörten. Während des Zivildienstes war ich, als der Leiter der Medienkompetenz chronisch ausgefallen war, für die Wartung und Aktualisierung der Rechner im Computerraum zuständig. Diverse Windows-Installationen und die Installation von Hardware habe ich natürlich auch in meinem Bekanntenkreis getätigt.
Ich habe von Windows 3.1 ab an alle Windows-Versionen sowie MS-DOS kennengelernt und arbeite nun seit 4 Jahren mit Linux. Damit einher gehen auch die Vernetzung meiner 2 Linuxrechner mit dem Windowsrechner durch Samba, die Installation von Apache/PHP, Erfahrung mit der Kommandozeile usw. usf.
Tja, dennoch habe ich in den 6 Gesprächen zwei Mal die Erfahrung machen müssen, dass mir ein sinngemäßes „Wie, war das schon alles?“ entgegen geschmettert wurde. Wie kann so etwas kommen? Natürlich, ich bin nicht Weizenbaum oder Linus Torvalds persönlich und ich habe auch noch keine fußballspielenden Roboter mit künstlicher Intelligenz erschaffen, aber das kann man von einem angehenden Azubi auch nicht verlangen. Ist es wirklich so, dass die Betriebe niemanden suchen, den sie ausbilden können, sondern welche die schon ausgebildet sind? Manche Stellenausschreibungen verlangen einen Realschulabschluss, aber ich frage mich ernsthaft, was ein Realschüler in seinem kurzen Leben denn schon an EDV- und Programmiererfahrungen gesammelt haben soll. Selbst von einem Abiturienten kann man kaum mehr erwarten, als dass er aus der Schule etwas Delphi kennt und privat vielleicht hin und wieder was mit PHP macht. Von gutem Programmierstil wollen wir dabei aber mal nicht reden (darüber kann ich aus meiner eigenen Schulzeit nämlich nur zu gut berichten). Auch ich habe vieles erst nach dem Abitur gelernt.
Als zweites wäre die Frage nach meinen menschlichen Qualitäten, den Charaktereigenschaften (Neudeutsch auch „Social Skills“ genannt). Gut, ich bin ein introvertierter und reservierter Typ, das ist unbenommen. Mein Auftritt ist höflich und freundlich, aber leider etwas zu verschüchtert und unsicher. Man hält mich deswegen offenbar für nicht teamfähig, zurückgeblieben, unkommunikativ, kurz gesagt: Man stigmatisiert mich zur totalen Bankrotterklärung in Sachen Sozialkompetenz. Auf der anderen Seite bin ich zuverlässig, ehrlich, pünktlich, akribisch und lernwillig, nur leider zählt das nicht besonders.
So weit, so schlecht. Auch hier will man anscheinend lieber jemanden einstellen, der all das Rüstzeug in Sachen „Social Skills“ schon mitbringt. Für mich natürlich unverständlich, denn ich bin kein debiler 70-Jähriger, der nur noch zu stereotypen Verhaltensweisen im Stande ist. Ich bin 22 und damit sollte der Zug für mich noch nicht abgefahren sein, denn auch der Charakter ist noch formbar.
Dies ist nun mein Problem, aber es bringt ja nichts darüber zu jammern. Ich muss im Vorstellungsgespräch einfach großkotziger auftreten, das wird’s sein und das wollen die Personaler auch sehen. Der, der am lautesten „Hier!“ schreit wird genommen, das war in der Grundschule schon so. Ich bin definitiv fähig eine Ausbildung zum Fachinformatiker zu bestehen, aber man muss sich auch dafür verkaufen können.
In all meinem Dilemma habe ich mir schon Gedanken darüber gemacht, wie Realschüler eigentlich mit dieser Situation klar kommen. Am Anfang meiner Bewerbungsphase war ich noch so hochnäsig und dachte bei mir, dass ich locker einen Ausbildungsplatz kriegen kann (insbesondere bei Stellen, die für Realschüler ausgeschrieben sind). Da lag ich aber völlig falsch und das Schreckgespenst Arbeitslosigkeit liegt schon auf der Lauer. Dennoch: Meine Kompetenz in Sachen Informatik ist wahrscheinlich höher als die eines jeden Realschülers und trotzdem reicht es offenbar nicht aus. Wie verkauft man sich also als Realschüler? Erzählt der etwa mit totaler Begeisterung über seine letzte HTML-Seite oder wie er den PC seiner Eltern repapiert hat? Kann man den Personaler auf der anderen Seite des Tisches mit solchen ausgelutschten Storys einlullen? Wir habt ihr es gemacht? Kennt ihr Tipps, wie man sich gut verkauft? Oder hat man als Realschüler erst recht keine Chance?
Das hängt vom Unternehmen ab und eine schlechte Ausbildung kann man in jeder Branche erwischen.
Ich sehe eigentlich wenig Grund, etwas anderes zu machen, denn Informatik zieht sich seit längerem durch meinen Lebenslauf. Eine Kehrtwende würde mich nur unglaubwürdig erscheinen lassen. Zudem denke ich, dass es den Traumjob eigentlich nicht gibt. Entweder der Beruf ist völlig überlaufen, so dass man eh nichts bekommt, man hat viel Stress, man lernt wenig, der Beruf hat keine Zukunft, es gibt in der Nähe kaum Ausbildungsbetriebe, man braucht astronomische Qualifikationen, man verdient nichts oder der Ausbildungsberuf ist staatlich nicht anerkannt. Irgendwo hat doch jeder Beruf seinen Pferdefuß, das muss man irgendwie akzeptieren, sonst findet man nie eine Ausbildung.
Also ich kann Dir nur raten, keine Ausbildung zum Fachinformatiker anzustreben. Der Beruf des FI hat in der Wirtschaft einen schlechten Ruf, da das Berufsbild nicht der tatsächlichen Ausbildung entspricht. Da wird ein FI eingestellt, da er im allgemeinen nicht so viel kostet wie ein Akademiker. Dann wird aber schnell festgestellt, dass in der Ausbildung eigentlich kaum echte Software-Entwicklung, Programmierung nur am Rande gelehrt wurde. Dann wird sich der Personalverantwortliche eben beim nächsten Mal vielleicht doch für einen Akademiker entscheiden.
Hallo,
ein ähnliches Problem hatte ich vor 2,5 Jahren auch gehabt. 50(!) Bewerbungen als Fachinformatiker Anwendungsentwicklung und Absagen ohne Ende. Teilweise war ich nicht gut genug, dann war ich zu zurückhaltend oder aber meine Mitbewerber (die Konkurrenz) war besser als ich. Trotzdem hab ich es geschaft bei einem kleinen Betrieb (7 Leute) eine Stelle zu finden.
Nach der Zusage dort war mein Selbstbewusstsein ungemein gestärkt und bei den darauffolgenden Vorstellungsgesprächen (mehr aus Übung, denn ich hatte ja meine Stelle) kamen plötzlich noch Zusagen, denen ich aber absagen musste.
Was meine Fähigkeiten damals angeht, die sind bei weitem nicht so gut und so viele wie du heute hast. Außer ein wenig Delphi (auch ein Hobby von mir) und HTML war da nichst. Gar nichts.
Ist also immer auch eine Sache der Motivation. Bloß nicht aufhören. Immer weiter versuchen. Sonst wird man noch arbeitlos. Und das wollte ich nicht.
Gerade bin ich wieder in einer ähnlichen Situation: Bewerbungen für einen Arbeitsplatz nach der Ausbildung schreiben. Und da sind bereits die Stellenangebote knapp (11 Stück).
Für einen Kommentar vielleicht etwas lang. Aber ich musste das einfach mal rauslassen.
MfG
Christoph Becker
Hallo an euch alle! die probeleme liegen ja nun schon zurück aber für solche die diese Berichte lesen will ich noch was anfügen:
1 Bewerbung 1 Gespräch 1 Zusage!!! Ich bin kein Großkotz und bei nem bewerbungsgespräch gleich 2mal nicht so aufgetreten!!!
Wichtig ist dass man mit den argumenten arbeitet die einem auch weiterbringen. Erfahrung hab ich auch nicht so übermäßig aber ich will den beruf ja auch lernen und nciht schon beherrschen!
Desweiteren ist das wichtigste in einem entwicklerteam wie es der name schon sagt das team also wer mit teamfähigkeit punkten kann ist dabei. Dann noch gute noten im abschlußzeugnis und ihr bekommt nen beruf.
Ich komm aus ner wirtschaftlich starken region. bei uns gibts mehr stellen als bewerbungen. also seht euch um dann werdet ihr was finden!!! und das umsehen reicht nicht zuhause vorm rechner!!! vllt kann man ja mal ne zeitung oder ne zeitschrift lesen. Die unternhemen wollen keine stubenhocker und pcJunkys!! die wollen offene unternehmenslustige mitarbeiter!!! weil nen colatrinkenden, chipsvernichtenden und nach schweiß riechenden pcjunky will kein kunde sehen!!
Also arschbacken zusammen und viel spaß in einem wirklich interessanten beruf…
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