Ich bin seit dem 17.10 „ordentlicher“ Student an der Westfälischen-Wilhelmsuniversität in Münster – Diplom-Informatik, 1.Semester. Ich hatte mir seit Ende des Zivildienstes Anfang Mai und auch schon vorher einige Gedanken um meine berufliche Zukunft gemacht, habe allerdings sehr lange gewartet, Nägel mit Köpfen zu machen. Also drängte die Zeit und da ich eh immer was in Richtung Informatik studieren wollte, habe ich mich kurzfristig an der WWU immatrikuliert. Jetzt, nach bald gerade mal 1,5 Monaten, ist es Zeit für mich ein Resüme zu ziehen.
Im Zusammenhang mit Informatik wird gerne das Gerücht kolportiert, dass es einen sehr hohen Matheanteil gäbe. Dieses Gerücht ist definitiv wahr. Ich habe eine Vorlesung Informatik und zwei Vorlesungen Mathe (Analysis und Lineare Algebra). Der Zeitaufwand beträgt dementsprechend auch 2/3 nur für die Mathematik-Vorlesungen und das ist noch nicht alles, denn selbst in der Informatik wird man mit Mathematik so sehr getriezt, dass die Hälfte der Informatik-Übungen wiederum selbst aus Mathe besteht.
Das zweite Gerücht ist, dass man 10 Stunden am Tag lernen muss. Tja, wenn andere das sagen, dann hält man das im vorhinein für eine maßlose Übertreibung und plumpe Abschreckung. Leider ist jedoch auch dieses Gerücht wahr und man fragt sich schnell, woher man vor dem Studium die Zeit hatte, sich mal ohne schlechtes Gewissen in Ruhe vor dem Fernseher zu hängen und Studium Studium sein zu lassen. Wer Mathe oder Informatik studiert, der hat – in so fern er nicht von vornherein in Betracht zieht, die Regelstudienzeit zu überschreiten – kaum noch ein Privatleben. Ein Beispiel sind die Übungszettel. Es gibt jede Woche einen Übungszettel, also von jeder Vorlesung. Diese Übungszettel müssen innerhalb einer Woche bearbeitet und abgegeben werden. Am Ende muss man 40% richtig haben, um für die Klausur zugelassen zu werden (für die Informatik-Übungen gilt diese Beschränkung an der WWU jedoch nicht). Jeder Übungszettel hat zirka 4 Aufgaben mit jeweils 4 Punkten, die zu vergeben sind. Wer so mutig ist, diese Zettel alleine zu bearbeiten, der kann ohne Untertreibung mindestens 10 Stunden dafür veranschlagen. Deshalb macht es auch immer Sinn, den Zettel in seiner Gruppe (2 oder 3 Leuten) zu bearbeiten. Einzelkämpfer werden auf Dauer Probleme kommen, davor warnt auch die WWU in ihrer Erstsemester-Vorbereitung. Aber selbst wenn man den Zettel in Gruppen bearbeitet, kommt man sehr schnell in Zeitnöte und sobald ein Zettel durchgeackert und abgegeben wurde, kommt auch schon der nächste (selbst während der Weihnachtszeit!). Ingesamt bekommt man im ganzen Semester zirka 12 Zettel in jeder Vorlesung, also 50 Aufgaben.
Das dritte Gerücht ist, dass die Mathematik an der Uni kaum noch was mit der Mathematik an der Schule zu tun hat. Auch das ist Tatsache, weil die Mathematik wesentlich abstrakter ist. Es geht nicht mehr nur darum, mathematische Formel anzuwenden, sondern über ihnen zu stehen, sie zu erschließen, zu beweisen und allgemeine Theorien herauszufinden. Das stellt viele Erstsemester vor unheimliche Schwierigkeiten und schnell merkt man, wie wenig vorbereitet man selbst bei einem Mathe-LK ist. Anders gesagt: der Kuchen wird ganz neu verteilt, denn plötzlich macht es kaum noch einen Unterschied, ob man früher einmal gut im Mathe-LK
war oder nur mittelmäßig in einem Mathe-GK. Wer die Problemstellungen der Mathe-Vorlesungen abstrahieren kann, hat sehr viel gewonnen und das hat mit GK und LK nur bedingt etwas zu tun.
Ein Beispiel: Wer sich die Vektoren in der Schule nur vorstellen konnte, wenn der Lehrer mit Stift und Papier zur Veranschaulichung griff, der sollte sich unbedingt Gedanken um eine Alternative zum Mathe- oder Informatik-Studium machen.
Viele stellen sich unter Informatik Programmierung vor. Manche denken auch, sie seien zum Informatikstudium qualifiziert, weil sie besonders gut Counterstrike und andere seltsame Computerspiele beherrschen würden. Zweiteres trifft am allerwenigstens zu und auch die Programmierung ist eher Nebensache. Das Studium an der Uni ist kein Programmierkurs und es sollen auch keine ausgebildeten Programmierer am Ende rauskommen.
Manchmal wird sogar gesagt, es sei hinderlich, wenn man vor dem Beginn des Studiums bereits programmieren könne. Ich halte das für Unsinn, aber es sei nur mal erwähnt.
Die Vorlesungen in der Informatik sind sehr anstrengend und ermüdend. Anstrengend deshalb, weil man dem recht drögen Erklärungen des Dozenten folgen muss. Dabei gibt es stets eine Projektion einer Powerpoint-Präsentation, die man sich auch im Internet herunterladen kann. Zettel und Stift sind also eigentlich überflüssig.
Mir kommt es so vor, als wenn sehr einfache Sachen in den Informatik-Vorlesungen besonders kompliziert erklärt werden. Zum Beispiel uferte die Erklärung zu Operatoren (+, -, etc.) in Baumtraversierungen, Umgebungsanalysen etc. pp. aus und kein Mensch am Ende versteht mehr, was das eigentlich sollte.
Viertes Gerücht ist, dass sehr viele Studenten das Mathe-Studium wieder schmeißen. Ja, das ist so. Bis Weihnachten (also innerhalb der ersten 2 Monate) exmatrikulieren sich zirka 30% der Leute. Man beginnt mit zirka 300 bis 400 Leuten und kann dann regelrecht zusehen, wie die Hörsäle nach und nach „ausdünnen“. Selbst von den Leuten, die es bis zu den Prüfungen schaffen und ihre Klausurzulassung bekommen, fallen 50% durch. Es ist absolut keine Seltenheit, dass den Leute nach dem ersten Semester ein oder zwei Scheine fehlen. Selbiges gilt natürlich wieder für die Informatiker, weil die Informatiker mit den Mathematikern in einem Boot sitzen. Das ist nicht nur eine Phrase, denn die Informatiker müssen am Anfang die selben Vorlesungen wie die Diplom-Mathematiker belegen und auch die selben Übungszettel bearbeiten und die selbe Klausur bestehen. Viel mehr ist es so, dass am Anfang gar kein Unterschied zwischen Mathematikern und Informatikern besteht, weil sie darüber hinaus auch noch in den selben Übungen sitzen und in gemischten Gruppen die Übungszettel bearbeiten.
Ein Sprichwort besagt, dass diejenigen, die es bis Nikolaus durchhalten, auch bis zum Ende des Studiums weitermachen.
Wer übrigens denkt, es ginge im langsamen Tempo los und der Schritt von Schul- auf Uni-Mathematik würde sukzessive vollzogen, der hat sich geschnitten. Bereits ab der ersten Vorlesung steckt man in der grauen Theorie.
Es gibt eine Theorie, nach denen die Professoren die Erststudenten „rausekeln“, um die Kursgröße auf eine für sie moderate Anzahl von Teilnehmern zu reduzieren. Ich persönlich bin mittlerweile Anhänger der Theorie, denn am Anfang findet ganz klar ein Aussiebungsprozess statt, bei dem die schwachen Studenten schnell das Handtuch schmeißen. Teil dieses Zermürbungsprozesses ist z.B. dass affenschnelle Tempo, in denen die Vorlesungen gehalten werden und die Abstände, in denen man die Übungszettel bearbeiten soll. Während einer Vorlesung habe ich selbst schon Mühe mit dem Abschreiben, gleichzeitig auch noch zuzuhören und nachzudenken ist fast undenkbar. Weiterhin stößt mir etwas auf, dass es den Professoren häufig gar nicht darauf anzukommen scheint, dass jemand die Sätze, Lemmas und Beweise z.B. durch Veranschaulichungen besser versteht.
Über die Professoren gilt auch folgendes zu sagen: Es handelt sich Menschen, die als Forscher tätig sind und neben ihren Vorlesungen eben wissenschaftlich arbeiten. Die Lehre, also die Vorlesungen, sind für viele eher lästig und es fehlt ihnen an einer besonderen Ausbildung als Lehrkraft. Es kann also vorkommen, dass man einen brillianten Forscher als Dozenten hat, der sein Wissen aber nicht vermitteln kann und nicht vermitteln will, weil der eine didaktische Niete ist. Manch ein Dozent begründet die Unverständlichkeit seiner Vorlesung auch damit, dass diejenigen, die intelligent genug sind, sich den Mathematik-Stoff schon von selbst aneignen würden.
Mathe ist übrigens zulassungsfrei, jeder bekommt einen Studiumsplatz. Merkt jetzt jemand, wo der Haken ist?
Das sind sie definitiv, denn man hat eine Platte, auf der nicht mal ein DIN-A4-Zettel komplett draufpasst, bei der man unten mit den Knien gegen eine Metallstange stößt und wo man links wie rechts keine Armfreiheit hat. Kurz gesagt: Man fühlt sich wie eine Legehenne. Dazu sind die Gänge extrem schmal. Wenn also jemand aus der Mitte einer Reihe raus will, dann muss er entweder über die Tische laufen oder 15 andere Leute müssen aufstehen und die Person muss sich an ihnen vorbeiquetschen. Am Anfang hat man zusätzlich damit zu kämpfen, dass man mit 300 bis 400 Leuten in einem Saal ist. In Informatik waren es gar über 400. So bekamen einige nicht mal einen Sitzplatz, mussten stehen oder auf den Stufen sitzen. Sobald die Temperaturen steigen, wird die Luft auch unangenehm stickig (trotz Belüftung). Einem anderen Fachbereich der WWU müssen die „überflüssigen“ Studenten sogar in zweiten zusätzlichen Hörsaal und können die Vorlesung nur über eine Kamera im ersten Hörsaal verfolgen.
Wer dennoch nicht davor zurückschreckt, ein Mathe- oder Informatikstudium aufzunehmen, der sollte sich schon im vorher mit Literatur vorbereiten.
Ich habe mir kurz nach Anfang des Studiums das Buch „Mathematik für Einsteiger“ von Klaus Fritzsche geholt. Dieses Buch hat die Intention, eine Art Brücken- und Vorkurs zu sein und dem Neuling die Axiomatik und die Herangehensweise der Uni-Mathematik nahe zu bringen. Obwohl es ein Einsteigerbuch ist, ist es nicht immer ganz einfach zu verstehen (was wohl einfach an der Thematik liegt), aber ich habe kein verständlicheres Buch zu diesem Thema gefunden. Es kann einem auch über die ersten 2 oder 3 Wochen des Studiums helfen, aber man sollte nicht denken, dass es auch darüber hinaus studiumsbegleitend eingesetzt werden kann.
In dem Buch von Klaus Fritzsche gibt es übrigens auch Übungsaufgaben mit Lösungen. Es empfiehlt sich, den Versuch zu unternehmen, die Übungen einmal selbst zu lösen.
Während des Studiums empfehle ich „Lehrbuch der Analysis, Teil 1“ von Harro Heuser. Es ist sehr umfassend und hat viel Fließtext. Dementsprechend ist es mit fast 650 Seiten auch schon fast ein echter Wälzer. Der Heuser ist deshalb ganz nett, weil er Dinge erklärt und weil man ihn wegen des Fließtextes fast wie ein „echtes“ Buch lesen kann.
An der WWU gibt es also Pflichtlektüre noch „Analysis I“ von Otto Forster. Der Forster ist für mich allerdings ein rotes Tuch. Dort stehen zwar viele Sätze und Beweise recht prägnant drin, zeichnet sich für eher mathematisch Minderbemittelte wie mich aber auch durch seine mangelnde Didaktik aus. Damit meine ich, dass viele Erläuterungen fehlen oder sehr kurz geraten sind. Der Forster eignet sich also nicht als Nachschlagewerk, wenn man einen bestimmten mathematischen Begriff erklärt haben möchte. (Das dazugehörige Übungsbuch kann man sich übrigens sparen.)
In der Linearen Algebra braucht man an der WWU gar kein Buch. Wer dennoch eins sucht, den verweise ich mal auf „Lineare Algebra“ von Albrecht Beutelspacher, „Lineare Algebra“ von Howard Anton oder „Lineare Algebra“ von Seymour Lipschutz (wird aber leider nicht mehr gedruckt und ist daher nur noch schwer erhältlich).
Literaturempfehlungen zur LA am Fachbereich 10 der Westfälischen Wilhelmsuniversität Münster sind „Lineare Algebra I“ von Falko Lorenz, „Lineare Algebra“ von Bosch und „Lineare Algebra“ von Gerd Fischer.
Das Buch von Falko Lorenz ist ein älteres Buch, was es so im Handel nicht mehr geben dürfte. Es ist recht handlich, aber bislang habe ich von diesem Buch eher Abstand genommen, weil ich es unverständlich fand. Das Buch von Gerd Fischer ist vom selben Verlag wie „Analysis I“ von Otto Forster, nämlich vieweg. Vielleicht liegt es daran, dass ich dieses Buch für den Anfänger genauso fragwürdig empfehlenswert halte, wie das Analysis-Buch von Otto Forster. Auch hier bedient man sich eher eines „Stakkatostils“. Die Erklärungen sind kurz und spärlich, stattdessen wird sehr viel mit Formeln gearbeitet, was für einen Anfänger nicht immer leicht verdaulich ist. Der einzigen Empfehlung, der ich halbwegs beipflichten kann, ist „Lineare Algebra“ von Bosch. Bosch ist nicht so mundfaul, wie seine Kollegen und es gibt hier und da eine grafische Veranschaulichung.
Für Menschen, die eine Mathe-Enzyklopädie oder Lexikon suchen, soll „Teubner-Taschenbuch der Mathematik“ ganz empfehlenswert sein.
Mittlerweile bin ich zu der Kenntnis gelangt, dass die FH für mich wahrscheinlich die bessere Alternative gewesen wäre. An der Universität baut man besonders auf die Theorie auf, die Praxis ist eher zweitrangig. Deshalb hat man auch viele Leute um sich, die in Elfenbeintürmen
leben, also realitätsferne Theoretiker sind. Die Uni erhebt den Anspruch, sehr umfassend zu sein und den Studenten mehr als nur das notwendigste Rüstzeug mit den auf den Weg zu geben. Das hat natürlich den Nachteil, dass man als Student auch viele Dinge lernt, die man in
der Praxis niemals braucht. Auf der FH hingegen gibt es eine (sinnvolle) Beschränkung des Lehrstoffes. Mathematik wird weniger mit der Frage nach dem „Woher und warum?“ praktiziert, sondern eher nach dem „Wie benutzt man das und das?“. Die FH-Mathematik ist also weniger
abstrakt.
Weitere Vorteile der FHs sind, dass die Studienzeit kürzer ist, dass man einen schnelleren Berufseinstieg hat und dass der Unterricht schulischer ist. Man sitzt also nicht mit 400 Leuten in einem Saal, sondern vielleicht mit 30 bis 60 und es findet im Unterricht ein stärkerer Dialog zwischen Studenten und Dozenten statt. Die Studenten kennen sich schneller untereinander und der Kontakt zum Professor ist besser.
Nachteilig an der FH ist jedoch, dass die Abschlüsse etwas weniger wert sind, als jene an der Uni. Vor allen Dingen im öffentlichen Dienst bleibt den Leuten von der FH der Aufstieg ab dem gehobenen Dienst meist verwehrt.
So weit sind meine Kenntnisse über die Unterschiede zwischen FH und Uni. Da ich starke Probleme mit den Methoden und der Herangehensweise an den Lehrstoff der Universität habe, werde ich mich wohl an einer Fachhochschule bewerben. Leider ist der Wechsel im Sommersemester problematisch.
hallo webmaster,
deine eigene stellungnahme zum thema informatik-studium FH/UNI finde ich großartig.
ich selbst überlege informatik an einer fh zu studieren. als ich mich an diverse
foren wendete, um zum thema "unterschiede zwischen fh/ uni studium" infos zu erhalten, entbrannte schließlich immer ein streit zwischen fh und uni absolventen. jeder für sich hielt seine variante als die bessere. leider konnte ich somit keine brauchbaren informationen für mich selbst gewinnen. deine beurteilung, dass das uni studium (informatik) teils jeglicher realität entbehrt bestätigt mich in meinem vorhaben an eine fh zu gehen. ich möchte vor allem wissen erhalten, das ich später im berufsleben wiederverwerten kann. mit anderen worten: ich will die informatik nicht neu erfinden. der uni abschluss mag standesgemäß höherwertig sein, aber für meinen bedarf, z.b. später mal als informatiker "tätig" zu werden, wird es allemal reichen!
viele grüße
stefan
Hallo Jungs,
wenn ihr in MS einen Trinken gehen wollt,
dann meldet euch mal bei mir… ich kenne da einige nette Läden.
Ich studiere übrigens in OS an der FH Freiraumplanung & Landschaftsbau,
kann also bei Euch Informatikern nicht mit reden.
Aber wenig Zeit habe ich auch…
Die Profs verlangen gleich von Beginn an vollen Einsatz - ich hätte gedacht, dass am Start "easy-going" ist …. denkste….
Also an alle Neu-Studenten: breitet Euch durch entsprechende Vorbildung auf ein Studium vor, fangt gleich voll an und nicht schleifen lassen!!
grüße
Sebastian
Hallo und danke.
Ich kann die FH natürlich auch nur vom „Hörensagen“ beurteilen, isofern ist das hier alles ganz unverbindlich, was ich schreibe.
Um die Milleniumswende gab es ja einen allgemeinen Run auf die IT-Studiengänge. Die ganze Informatik wurde zu einem einzigen Hype, weshalb auch plötzlich überall NCs für dieses Fach eingeführt wurden. Mittlerweile ist dieser Hype verflogen, die Bewerberzahl ist meines Wissens etwas eingebrochen und steigt jetzt nur noch langsam an. Soweit ich weiß, stehen die Chancen gut, dass es wieder einen IT-Mangel geben wird, wenn man jetzt mit dem Studieren anfängt und in 5, 6, 7… Jahren fertig ist.
Interessanterweise ist die Bewerberzahl an den Universitäten konstant, während die FHs steigende Bewerberzahlen haben. Womit das zusammenhängt, kann ich jedoch nicht sagen.
Was die Berufschancen und Unterschiede zwischen FH- und Uni-Abschluss angeht, so sehe ich dem eher locker entgegen. Klar, wenn jemand wirklich mehr als gut ist und von den Spitzenkonzernen in die Managerpositionen gezerrt werden will, der braucht halt einen Uni-Abschluss. Das gilt aber vielleicht für maximal 5% der Studierenden, die letztlich dann überhaupt den Abschluss machen. Andersrum gesagt: Für die anderen 95% macht es (fast) gar keinen Unterschied, ob sie ihren Abschluss an der FH oder Uni machen, weil sie eh nie in die Reichweite einer Spitzenposition gelangen werden.
Ich gehöre sicherlich nicht zu den 5%, da bin ganz pragmatisch. Wie jeder Mensch habe ich auch Ambitionen, aber wenn ich diese Ambitionen in weniger Zeit mit mehr Spaß an der Sache erreichen kann, dann würde ich die zweite Wahl vorziehen.
Leider habe ich mich wohl zu schlecht informiert und zu kurzfristig gehandelt. Auf anderen Seite war es ein Versuch wert, woher soll man sonst wissen, ob man nicht vielleicht im Leben mehr hätte erreichen können? Naja, vielleicht wiederhole ich Mathe und kann mich mit der Uni ja doch noch anfreuden, man wird sehen.
Hallo,
ich habe 4 Semester Informatik an der Uni studiert, bin dann auf die FH gewechselt und bereue es keinen Tag. Die Professoren an der FH sind deutlich motivierter. Man hat wirklich das Gefühl, dass sie wollen, dass der Student es schafft. An der Uni galt eher das Motto: friss oder stirb (ich könnte einige haarsträubende Dinge erzählen über die Arroganz einiger Uni-Professoren). Eigentlich ist es seltsam, denn alle FH-Professoren bei uns sind gleichzeitig auch Uni-Professoren, die also aktiv an den Unis lehren. Aber anscheinend wählen die FHs die Professoren besser aus und nehmen wirklich nur die, die auch etwas taugen. So ist es an der FH undenkbar, dass ein Professor kein Skriptum zur Verfügung stellt (ist mir an der Uni bei einigen Professoren passiert).
Auf der Uni lernt man sicherlich mehr, die Anforderungen sind höher. Aber einen wirklichen Nutzen bringt das nur für den wissenschaftlichen Bereich (wo es also ums forschen im Detail geht, z. B. nach besseren Algorithmen oder Performance, etc.). Aber wie viele Absolventen arbeiten später im wissenschaftlichen Bereich? Wahrscheinlich nichteinmal 1 %.
Wenn ich das praktische Wissen vergleiche, habe ich in nur einem Semester an der FH mehr gelernt als in 4 Semestern an der Uni. Traurig nicht?
Bezeichnend fällt mir die Aussage eines Freundes ein, der Informatik an der Uni absolvierte und dann eine Firma gründete, in der er Schulungen zur Bildverarbeitung auf Apple anbot: "In meinem ganzen Studium habe ich eigentlich nichts gelernt, was ich jetzt in meinem Beruf brauchen könnte!"
Wenn ich später einmal eine Firma gründe, werde ich lieber FH- statt Uni-Absolventen nehmen, weil ich weiss, dass sie viel mehr praktische Erfahrung besitzen.
Fazit: Wen die Wissenschaft interessiert, der sollte auf jeden Fall auf der Uni studieren. Alle anderen sollten es sich gründlich überlegen…
lg,
Helmut
Hallo,
ich selbst bin hobbyprogrammierer und 21 Jahre alt, will mein
Hobby zum Berufmachen und mache deshalb in der Abendschule (Parallel zu meiner arbeit)
eine weiterbildung zum staatl. gepr. Betriebswirt für Informationsverarbeitung und Management. Das ganze geht 4 Jahre und habe 1,5 Jahre bereits ohne probleme hinter mich gebracht. Bei uns sind auch schon mehr als 2/3 aller schüler abgesprungen.
Leider lerne ich nicht so programmieren wie es mir versprochen wurde, und auch die netzwerktechnik und datenbanken lassen zu wünschen übrig. Ich muss mir access kindergram reinziehen, obwohl mir mysql versprochen wurde. Muss das langweilige Delphi (pascal) lernen obwohl mir Java versprochen wurde. Ich fühle mich unterfordert.
Jetzt spiele ich mit den gedanken danach an einer FH zu Informatik zu studieren.
Ich liebe Computer (nicht im Erotischen sinne) und kann den ganzen tag daran rumbasteln.
Nach deinen beschreibungen wurde ich jetzt aber etwas abgeschreckt.
Wem würdest du das Studium nun direkt empfehlen, und wem nicht?
Gruß
Marco G.
So, also ich hab mir das jetzt mal alles durchgelesen und finde die Beträge sehr informativ!
Jetzt hab ich allerdings noch ein paar fragen:
Ich habe oben gelesen, das das Studium fast nichts mit Programmieren zu tun hat, ich würde allerdings gerne ein Studium als Programmierer machen, in welche Richtung müsste ich da gehen, also wie heißt das Studium als Programmierer?
Auch habe ich oben gelesen, das jeder zugelassen wird, d.h. dass es keinen Numerus Klausus(hoffentlich richtig geschrieben :-)) gibt, ist das beim Programmierer auch so?
Und wieviel zählt der Abi-Abschluss, wenn ich als Programmierer studieren will??
Danke für Antworten!
Guten Tach
Da bin ich ja hocherfreut, dass es hier im antikoerperchen-blog
doch noch weitergeht.
Seit dem letzen Beitrag habe ich jeden Tag vorbeigeschaut
und schon befürchtet, dass hier nix mehr passiert.
Ich finde die Beiträge hier sind mit die allerbesten,
die ich seit langer Zeit im Netz gelesen habe.
Somit freue ich mich schon jetzt riesig auf neuen Stoff :)
Ich bin übrigens auch aus Münster.
Allerdings studiere ich nicht.
Willkommen also hier im schönen Münster.
Gruß
Ingo Siemon
Okay, ich erwähne hier noch einen Aspekt, weil er im eigentlichen Artikel wohl nicht erwähnt wurde oder nicht klar herausgehoben wurde: Angeblich ist der nötige Zeitaufwand an den FHs höher.
Ich weiß nicht genau, wie der noch höher sein kann, als an der Uni, aber ich stelle mir das so vor:
Man hat weniger mit Übungszetteln usw. zu kämpfen, ist also nicht so sehr gezwungen, den Stoff selbstständig zu erlernen und aufzuarbeiten, dafür sitzt man dann aber auch länger in FH. Also soweit ich gehört habe, kann es dann schön häufiger sein, dass man bis 18.00 Uhr in der FH ist (es soll an einigen Fachhochschulen bzw. Fächern auch Anwesenheitspflicht geben). An der Uni kann man ja theoretisch auch das ganze Semester zu Hause bleiben, sich das Zeug selbst beibringen und nur in die Uni gehen, um die bearbeiteten Übungszettel in die Briefkästen zu schmeißen.
Eine weitere Begründung ist vielleicht, dass man ja an der FH einen nominal gleichwertigen Abschluss wie an der Uni erzielen kann, jedoch braucht man meistens weniger Zeit dazu. Wenn man denselben Abschluss in weniger Zeit schaffen will, dann muss naturgemäß etwas Stoff wegfallen bzw. der Stoff muss in weniger Zeit durchackert werden.
Hi,
ich beginne zum Wintersemester auch mein Informatikstudium an der WWU Münster, daher war der Beitrag echt interessant für mich. Ich hoffe es ändert sich nicht allzuviel bei der Umstellung auf das neue Bachelor-/Mastersystem (außer es wird vereinfacht). ;-)
wuerde gerne wissen, ob es eine gute Idee ist, mich jetzt bereits in C++ einzuarbeiten, obwohl ich erst naechstes Jahr mit meinem informatik-studium an der fh beginnen kann.
Ich habe mehrere Freunde, die an einer FH Informatik studieren.
Meines Wissens ist dort erst einmal nicht viel mit C++. Das kommt erst in den späteren Semestern.
Wenn du dich auf das Programmieren vorbereiten willst, dann wird Java von größerem Nutzen für dich sein.
Das es keinen NC gibt, ist an der WWU in Münster so, an anderen Unis sieht es möglicherweise anders aus.
Es gibt Studienfächer, bei denen man später als Schwerpunkt Software-Engineering oder Web-Engineering auswählen kann, aber ich habe höchstens eine Handvoll von Hochschulen gefunden, die so etwas überhaupt anbieten.
Hallo, echt hilfreich die Seite. Ich habe mich gerade an der FH in Stuttgart und Umgebung als Informatiker beworben. Ich stehe kurz vor meinem Abschluss zum Elektrotechniker Ber. Datentechnik. Könntest du mir etwas über den Notendurschnitt sagen, mit dem man reinkommt?? Danke.
Schönen guten Tag die Herren und Damen,
Sehr viele höchst interessante Beiträge habe ich hier gelesen. Hut ab.
Nun zu meine Situation: Ich mache diese Jahr - eigentlich schon diesen Monat - meine Fachhochschulreife. Zu aller erst möchte ich den Wehrdienst absolvieren um mich ganz und gar dem Studium zu widmen. Mein Ziel ist es Mathematik an der Fachhochschule in Regensburg zu studieren. Das Problem ist, dass ich mich mehr als ein Jahr nicht mehr mit dem Stoff befasse, was ggf. zu Schwierigkeiten beim Einstieg in das Studium führen kann. Nun besteht natürlich die Möglichkeit sich in dieser Zeit mit Fachbüchern zu beschäftigen. Meine Frage ist, ob dies sinnvoll ist und welche Werke wären dazu am besten geeignet? Ich hoffe es finden sich hier Mathematik Studenten einer FH bzw. gar Studenten die in einer ähnlichen Situation gewesen sind. Würde mich freuen.
Gruß
Micha
Hallo,
ich möchte hiermit auch einen kurzen Beitrag zum Thema FH vs. Universität geben. Ich habe angefangen an einer Universität zu studieren und bin nach 5 Semestern an eine FH gewechselt. Ich kann die FH nur empfehlen. In meinem Fall, lag es erstens daran, dass die FH kleiner war (jeder kennt jeden, die Profs wissen genau wen sie vor sich haben)und zweitens sind die Lehrinhalte moderner und angepasster. Ab dem Wechsel hat mir das Studium das erste Mal Spass gemacht…
Ich wäre auch schon recht geil auf ein Jahrgangsstufentreffen, hmm.
Dann sag mir wo du wohnst oder komm am Fachbereich 10 vorbei.
Hallo,
wuerde gerne wissen, ob es eine gute Idee ist, mich jetzt bereits in C++ einzuarbeiten, obwohl ich erst naechstes Jahr mit meinem informatik-studium an der fh beginnen kann.
Welche Buecher waeren geeignet und wo kann ich erfahren, welchen Stoff ich an der FH bearbeite? Ich finde zur Zeit keine Internetseite, wo das steht.
MfG :)
Hey, aber bevor du auf die FH wechselst: schau mal vorbei und wir trinken einen hier in MS :)
Danke für die Antwort!
Weil mich es intterresiert würde ich gerne auch noch wissen, was man denn so als Programmierer verdient, weiß das jemand?
Danke!
Oh ha, mit Fans hätte ich jetzt gar nicht gerechnet. Dankeschön!
Ich würde natürlich gerne wieder schreiben, aber ich komme einfach nicht mehr dazu. Wer Mathe studiert, der hatte auch die längste Zeit Freunde, denn um die kann er sich dann nicht mehr kümmern. Von Münster selbst habe ich bislang ebenfalls so gut wie nichts gesehen.
Eigentlich will ich da nur noch weg, weil man den Spaß an der Informatik verliert, wenn sie so wie in Münster praktiziert wird.
Naja, bis dann vielleicht.
Dirk
Hi,
ich hab mir das ganze hier mal durchgelesen. Ich finde auch, dass es das erste Forum ist, welches sich qualitativ von den anderen im Punkto UNI vs. FH, hervorhebt.
Ich mache nächstes Jahr mein Abi und möchte unbedingt Informatik studieren. Mir ist seit geraumer Zeit klar, dass ich wahrscheinlich an die FH gehe, weil ich dort praxisbezogen (auf neuestem Stand) studiere. D.h. auch zugleich, dass ich höhere Chancen (zumal ja auch Praktika) in der Berufswelt habe, als ein Uni-ler, oder irre ich mich?
Jetzt habe ich aber eine Frage: Ich möchte nicht direkt in den Bereich des Programmiers, sondern in den des Softwareentwicklers. Stimmt es, dass die Unterschiede darin liegen, dass der Programmierer das Ausgespukte vom S-Entwickler anwendet?
Gruß
Sammy
Ich habe oben gelesen, das das Studium fast nichts mit Programmieren zu tun hat, ich würde allerdings gerne ein Studium als Programmierer machen, in welche Richtung müsste ich da gehen, also wie heißt das Studium als Programmierer?
Das kann ich nicht genau sagen, denn ich bin ja kein Studienführer. Es gibt das Studium Softwaretechnik (Neudeutsch: Software Engineering oder auch als Spezialisierung Web Engineering), aber das wird halt nur von wenigen Hochschulen angeboten. Das Problem ist dann natürlich, dass man kaum eine Chance hat, die Hochschule zu wechseln.
Auch habe ich oben gelesen, das jeder zugelassen wird, d.h. dass es keinen Numerus Klausus(hoffentlich richtig geschrieben :-)) gibt, ist das beim Programmierer auch so?
Das mit dem NC ist unterschiedlich. An der Uni Münster gibt es tatsächlich keinen NC. Wenn es keinen NC gibt, gibt es natürlich viele Bewerber und die werden dann während des Studiums ausgesiebt und nicht im Vorhinein durch den NC (ziemlich frustrierend für den Ablauf des Studiums). Ich habe mich auch an der FH (respektive HAW) Hamburg beworben und dort gab es einen NC. Der NC war einigermaßen zivil, er lag ungefähr bei 2,8 (im Sommer natürlich geringer, weil es weniger Bewerber gibt und im Winter etwas höher). Ich hatte 3,1 und wurde sogar angenommen (konnte aufgrund einer schlechten Absprache zwischen den Studierendenwohnheimen diesen Studienplatz aber nur schwerlich wahrnehmen).
Meine Vermutung ist also, dass an den Unis kein NC gibt (Unis haben ja auch Bewerberstagnation) und an den FHs schon. Das musst du im Einzelfall aber eh selbst herausfinden.
Und wieviel zählt der Abi-Abschluss, wenn ich als Programmierer studieren will??
Darüber kann ich auch nichts sagen, bzw. ich kann nur von der Uni Münster und von der HAW Hamburg sprechen. An der HAW Hamburg gab es groteskerweise ein Fach, dass von den Leuten mit Abitur ein höher NC verlangt wurde, als mit den Leuten, die nur Fachhochschulreife hatten. Für mich ist das natürlich unverständlich, denn die Leute mit Abitur haben eigentlich bereits eine bessere Bildung als die Leute mit Fachhochschulreife. Wie gesagt, ich spreche hier nur von einem einzelnen Studienfach, das an der HAW Hamburg angeboten wird. Für alle anderen Studiengänge macht es absolut keinen Unterschied, ob man Fachhochschulreife oder Abitur hat.
An den Unis kann man ohne Abitur natürlich nicht studieren (es sei denn man geht den „zweiten Bildungsweg“ über ein Ausbildung oder eine andere gleichwertige Vorbildung), ich denke das ist klar.
wie kann es denn sein , dass man die ganze zeit achsoviel lernen muss ,dann aber die zeit hat soviel zu schreiben?
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