Counter (manch älteren Leser vielleicht noch unter dem altmodischen Wort Besucherzähler bekannt) sind eine beliebte Komponente, um einschätzen zu können wie beliebt eine Website ist. Für die meisten Hobbybastler ist der Counter eher Anlass zur Ernüchterung und Frustration, denn die Besucherzuströme bleiben meistens aus. Counter können also den Spaß an der HTML-Bastelei nehmen, aber abgesehen von persönlichen Frustrationserlebnissen mit Countern, gibt es noch ein paar weitere Aspekte, die den Sinn der Besucherzähler in Frage stellen.
Es wird mindestens eine weitere Serveranfrage ausgeführt, nämlich an den Server des Counter-Anbieters. Da diese Counter zumeist kostenlos sind, sind auch die Server häufig etwas träge.
Opulente grafische (animierte) Counter erhöhen Traffic und Ladezeit.
Counter mit niedriger Besucherzahl sind eher peinlich und abschreckend. Daher sollten Counter auch nur bei höheren Besucherzahlen benutzt werden.
Counter sind in der Regel manipulierbar. Da man mit 2- oder 3-stellige Counter nicht gut hausieren kann und manch einer nicht so lange warten will, bis man hohe Besucherzahlen vorweisen kann, fühlen sich manche Menschen dazu verführt, den Counter etwas hochzuschrauben. Doch die Besucher lassen sich nicht so leicht hereinlegen, denn spätestens wenn man zwei oder drei Tage später feststellt, dass der Counter sich lediglich um eine Handvoll Besucher erhöht hat, dann wird man skeptisch.
Besucher interessieren sich meistens gar nicht dafür, der wievielte Besucher sie sind.
Das schwerwiegendste Problem ist jedoch, dass Counter viel zu undifferenziert sind und nur einen Schätzwert angeben.
Jegliche Art von Counter kann die Besucherzahl nur erraten. Die tatsächliche Besucherzahl liegt immer unter oder über der tatsächlichen Zahl von Besuchern. Das liegt daran…
…dass Counter häufig nur auf der Startseite integriert sind. Da nur ein sehr geringer Teil der Besucher über die Startseite hereinkommen, sondern meistens über Suchmaschinen auf Unterseiten landen (sog. Quereinsteiger), ist die angegeben Besucherzahl wesentlich geringer als reelle Besucher da waren.
…dass Robots und Spider meistens als echte Besucher gezählt werden. Es gibt zwar Bot-Listen, um zu verhindern, dass Bots und Spider mitgezählt werden, aber die sind unvollständig und werden von vielen Counter-Anbietern nicht genutzt.
…dass Proxies, Session-IDs und NAT-Router mehrere Besucher hinter ein und derselben IP verbergen können.
…dass die Techniken, um verschiedene Besucher die sich hinter Proxies, Session-IDs und NAT-Routern verbergen, unausgegoren sind. Häufig versucht man verschiedene Besucher zusätzlich zur IP über die Browserkennung oder einer Cookie-Session zu identifizieren. Browserkennungen können sich allerdings ändern, wenn der Besucher den Browser wechselt und Cookie-Sessions können wirkungslos sein, wenn der Browser des Besuchers keine Cookies akzeptiert.
…dass Besucher mit wechselnden IPs mehrfach gezählt werden (ist z.B. bei Proxies der Fall, um die Last besser zu verteilen).
Darüber hinaus ist natürlich auch nicht sicher, ob der Besucher den Inhalt überhaupt liest oder ob er sofort wieder wegklickt.
In diesem Lichte sind die simplen Counter kaum geeignet, um eine gescheite Analyse über Zugriffe und Besucherzahlen anzustellen. Dafür gibt es wesentlich bessere Skripte, die deutlich mehr Informationen über die Website-Zugriffe liefern. Durch eine solch detaillierte Zugriffsstatistik kann man eine bessere Approximation der reellen Besucherzahlen ermitteln. So kann jeder selbst beurteilen, welchen Wahrheitsgehalt er seinem Counter beimessen kann.