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Wie Suchmaschinenoptimierer Kunden (angeblich) melken - Missbrauch von Meta-Tags (expires)

-- 23.August 2005 (#26)

Ich bin hier hier auf etwas interessantes gestoßen. Im Prinzip ist es nichts besonderes und ich hätte auch selbst darauf kommen können: es geht um den Missbrauch des Meta-Tags expires.

Angeblich gibt es Firmen, die in den Quellcode der Webseiten ihrer Kunden folgende Angabe machen:

<meta http-equiv="expires" content="Mon, 12 Jun 2006 00:00:00 GMT">

Mon, 12 Jun 2006 00:00:00 GMT steht hier für den Zeitpunkt, an dem der Vertrag zwischen der Dienstleitungsfirma und dem Kunden endet. Wenn das Vertragsende eintritt, wird für den Fall, dass Kunde den Pflegevertrag nicht verlängert, die Seite aus den Suchmaschinen-Indizes verbannt und kann von Internetbenutzern praktisch nicht mehr gefunden werden. Der Kunde weiß natürlich nichts von diesem linken Trick, denn Meta-Tags sind unsichtbar und da der Kunde auch keinen Kundenschwund hinnehmen will, wird der Vertrag mit der Webdesign- oder SEO-Firma verlängert. Der Dienstleistungsanbieter braucht nur das Datum in den Meta-Tags verlängern und kassiert für nicht erbrachte Leistungen ab und das jedes Jahr aufs Neue.


So weit, so intrigant. Ich frage mich allerdings, ob durch die Angabe des Meta-Tags expires wirklich der Fall eintritt, dass die Seiten komplett aus den Suchmaschinen verschwinden. Vermutlich nein. Folgendes spricht dagegen:

  • expires ist hauptsächlich interessant für die Browser, denn mit expires kann man auf das Caching von Mozilla/Firefox, Internet Explorer, Opera und Co. Einfluss nehmen. Wenn sie das Datum für expires in die Zukunft legen, dann wird der Browser bis dahin die Daten aus dem schnellen Festplatten-Cache holen und erst, wenn das expires-Datum erreicht ist, eine neue Version aus dem Internet laden – so zumindest die Theorie. Damit wird Traffic gespart und die Ladezeit erheblich verkürzt. Sie können expires auch den Wert "0" oder "-1" geben, dadurch wird die Seite bei jedem Aufruf stets frisch aus dem Internet geholt.

  • Erst in zweiter Linie ist expires interessant für Suchmaschinen. Es ist allerdings zweifelhaft, dass z.B. Google die Seite aus dem Index haut, so bald das angegebene Datum in expires erreicht ist. Es ist eher wahrscheinlich, dass die Suchmaschine die Seite ab dem Datum, an dem sie abläuft, erneut besucht und auch erneut indexiert. expires hat also eine ähnliche Funktion wie das Meta-Tag revisit-after.

  • Es ist allgemein bekannt, dass sich Google kaum noch um die Angaben in Meta-Tags kümmert. expires dürfte ein ähnliches Schicksal erlitten haben wie revisit-after, nämlich das Desinteresse bei den Suchmaschinen. Diese Angaben sind kurz gesagt witzlos, da sich die Suchmaschinen nicht dafür interessieren.


Ich nehme also an, dass ich hier auf ein Relikt gestoßen bin. Es mag also durchaus sein, dass der expires-Trick früher einmal (vor der Google-Zeit) funktioniert hat und heute noch vereinzelt von verwirrten „semi-professionellen“ SEOs und Webdesignern rezipiert und kolportiert oder gar noch in der Praxis angewendet wird.

Abgesehen davon, kann ich mir heute auch viel elegantere Methoden vorstellen, um seine Kunden ein zweites oder drittes Mal zu melken (was ich natürlich für verwerflich halte). Ein Schlüssel dazu könnte Cloaking lauten. Beim Cloaking werden dem Besucher andere Inhalte angezeigt, als den Suchmaschinen-Bots. Für einen mittelmäßigen PHP-Programmierer ist es ein Leichtes, eine simple Cloaking-Technik in den Seiten zu integrieren. Um Suchmaschinen am weiteren Durchsuchen der Seite und an der Indexierung der selbigen zu hindern, gibt es den Meta-Tag robots (laut Google einer der wenigen Meta-Tags, die beachtet werden). Ab einem bestimmten Datum wird den Suchmaschinen-Bots einfach folgende Zeile unter die Nase geschoben:

<meta name="robots" content="noindex, nofollow">

Per Cloaking könnte man den Suchmaschinen auch einfach nur leere Seiten unterjubeln. Die Ausgabe der Seiten wird in PHP einfach mit die; abgebrochen.

Im Gegensatz zu dem expires-Trick merkt der Kunde nichts davon, selbst wenn er sich den Quellcode im Browser anschaut.

Eine weitere Möglichkeit, die mir spontan einfällt, ist das Aussperren von Suchmaschinen per robots.txt oder .htaccess. Diese Dateien könnten – auch wieder per PHP oder einer anderen Programmiersprache – ab einem bestimmten Datum automatisch erstellt werden.


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