Weltweit gibt es 70.000.000 Weblogs, 280.000 davon kommen aus Deutschland (Stand 05.08.2005). Letztes Jahr waren es noch 7.500 Blogs aus deutschen Landen, also kann man von einem waren Boom sprechen. Unterdessen formiert sich die Front der „Anti-Blogger“. Leute, die Blogs generell ins Lächerliche ziehen, als Online-Tagebuch diffamieren oder als trendigen Hype abtun. Was ist an Weblogs auszusetzen?
…sonst ändert sich nix!“ - Weblogs sind zu einem wahren Hype geworden, wie es die Zahlen in der Einleitung auch hinreichend belegen. Dieser Trend führt dazu, dass sich plötzlich alles als Weblog zu titulieren versucht, was früher einmal „Website“ oder „Homepage“ hieß.
Bis auf die Bezeichnung ändert sich aber nicht viel. Die Beepworld-Seiten werden kompensiert durch Blogs von Wordpress, MSN und Co., die Inhalte werden dadurch aber nicht signifikant wertvoller.
Blogs lassen sich grob in zwei Klassen unterteilen, nämlich in exhibitionistisch-voyeuristische Blogs und sach- und themenorientierte Blogs. Während die zweite Klasse Beiträge produziert, die nicht in 2 Minuten dahingeschmiert werden und bisweilen auch äußerst interessante und wissenswerte Beiträge liefern, ist vor allen Dingen die erste Klasse eine Steilvorlage für so manchen Kritiker, um alle Weblogs schlecht zu reden.
Das Schreiben von „Tagebuch-Blogs“ gilt als geltungs- und profilierungssüchtig. Tagebuchschreiber werden als Wichtigtuer gesehen, die um Aufmerksamkeit ringen. Zugegeben: das Internet wird durch diese Schreiber zuhauf „zugemüllt“, was vielleicht lieber in konventioneller Papierform unter dem Bett aufgehoben wäre. Die meisten Blogs haben zweifellos einen Hang zur Unterhaltung und Selbstdarstellung. Bei manchen Menschen führt diese Erfahrung dazu, dass sie Weblogs generell als substanz- und inhaltslos ansehen.
Es gibt - und das dürfte eigentlich keinen rational denkenden Menschen verwundern - kaum private Weblogs, die eine nennenswerte Zahl von Lesern vorweisen können. Ich gehe davon aus, dass es mindestens so viele tote Privat-Blogs geben dürfte, wie verwilderte und herrenlose Beepworld-Seiten. So werden auf längerer Sicht nur einige wenige private Blogs auf Dauer eine größere Leserschaft kumulieren können, während der Rest nach dem Weblog-Hype als Netzleichen übrigbleiben werden.
Die zahlreichen privaten Weblogs manifestieren bei manch einen Menschen dazu, dass Weblogs zu einer „Verseuchung“ der Suchmaschinen führten. Weblogs werden von Google, MSN, Yahoo! und anderen Suchmaschinen genauso gerne indexiert, wie jede andere Internetseite. Der zudem meist einseitige und amateurhafte Journalismuscharakter der Blogs, führt dazu, dass Fragen nur unzureichend beantwortet werden. Die starke Verlinkung der Blogs untereinander (Blogosphäre) pusht zudem deren Ranking in den Suchmaschinen.
Manche Blogs gleichen endlosen Linklisten, so dass sich fast der Eindruck aufdrängt, man stehe vor einer Linkfarm. Blogs sind untereinander stark „vernetzt“, es gibt zahlreiche Querverweise untereinander, auch auf einzelne Beiträge. Gleichzeitig führt das natürlich dazu, dass das Generieren dieser Backlinks das Ranking der Blogs in den Suchmaschinen verbessert und einen manchmal einen zweifelhaften Beitrag zur Suchmaschinenqualität liefert. Bei der Suche nach bestimmten Themen, die unter Bloggern gerade aktuell sind, bekommt man so unter Umständen zunächst nur Suchtreffer auf verschiedene Blogs.
Kleiner Tipp am Rande: Wenn man ein „-blog -weblog“ in der Suchabfrage ergänzt, werden Suchtreffer mit den Worten „Blog“ und „Weblog“ nicht angezeigt.
Blogosphere bezeichnet die Gesamtheit aller Blogs.
Blogs stellen sich nach außen hin wie ein Esotherikerkreis. Man könnte annehmen, Blogger seien eine homogene Interessegruppe, eine Gruppe mit Zusammengehörigkeitsgefühl oder gar eine Art Sekte.
Als normaler Webmaster, der sich nicht im Besitz eines Blogs befindet, sondern lediglich einer Homepage oder Website, regen sich da gewisse Aversionen.
Blogger sind „trendy“ und modern und so schaffen sie sich auch einen ganz eigenen Wortschatz. Sie kreieren allerlei Neologismen, wie z.B. „Photoblog“, „Videoblog“, „Trackback“, „Podcasting“ und das Wort „Blog“ selbst. Leider bezeichnen diese Dinge größtenteils dasselbe oder gab es bereits vorher.
Blogs sind eine Modeerscheinung und bezeichnen etwas, dass - wie ich oben bereits sagte - vormals eine ganz normale Website war. Blogs waren also schon immer da.Diese „Geheimsprache“ der Blogger wirkt auf manch einen wie die Sprachverhunzung einiger „profilneurotischer Wannabes“.
Weitere Abkürzungen mit Kommentar.
Blogs werden zunehmend Ziel von Spammern. Das problematische daran ist, dass zirka 90% der Blogs von gerade mal 3 Dienstleistern zu Verfügung gestellt werden. So ist es für Spammer sehr lohnenswert, einen Robot durch die Blogs zu schicken und E-Mails zu sammeln.
Weitere Arten des Blog-Spams ist der Missbrauch von Kommentar-Funktion und Trackback-Funktion und das automatisierte Erstellen von Blogs.
Bloggen wird häufig als trendig, modern und daher als fortschrittlich assoziiert. Es handelt sich jedoch zumeist nur um Blendwerk, da lediglich das Etikett ausgetauscht wurde. Websites werden in „Blog“ umgetauft und gelten dadurch automatisch als modern und fortschrittlich.
Dass etwas nicht fortschrittlich wird, nur weil es eine andere Bezeichnung hat, dürfte jeden Menschen auffallen, der sich nicht von Phrasen und Marketingslang blenden lässt.
Gleichzeitig stehen auf der anderen Seite die konventionellen Websites, welche (vielleicht fälschlicherweise) den Umkehrschluss ziehen und sich ins reaktionäre Licht abgestellt sehen. Daraus entsteht schnell eine neidvolle Beziehung der konventionellen Webmastern auf die Blogger.
Abschätzige Blicke auf Blogger gibt es auch, weil Blogger manchmal als mediengesteuerte Opportunisten und Claqueure angesehen werden. Ein Ruf, der vielen nacheilt, die den Trends und Hypes folgen.
Als Erweiterung zum Punkt „Trend-Bonus“ ist zu sagen, dass Blogs eine unverhältnismäßig große Aufmerksamkeit in den Medien erlangt haben (typisch für einen Hype eben). Manch einer findet diese starke Präsenz etwas penetrant.
Das was Beepworld vorgemacht hat, hat sich auch auf die Blogs ausgebreitet: verschiedenste Dienstleitungsanbieter stellen kostenlose Blogs zu Verfügung. Jeder Mensch kann sich sein Blog bequem und schnell bei einem dieser Weblog-Anbieter zusammenklicken, ohne über Kenntnisse in HTML, PHP oder sonstwas verfügen zu müssen. Das Ergebnis ist, dass das Netz mit zahlreichen „Weblog-Dubletten“ geschwemmt wird. Ich persönlich finde das Standardblog der meisten Anbieter recht ansprechend (im Gegensatz zu Beepworld), aber leider ändert das nichts daran, dass man auch diesem Standarddesign irgendwann überdrüssig wird selbst diverse Skins und Themen nur darüber hinweg kaschieren.
Die in der Einleitung genannten Zahlen sind wahrscheinlich sehr beschönigt. Ich vermute stark, dass die Dienstleistungsanbieter damit den Blog-Hype forcieren wollen, indem sie verwahrloste und automatisiert erstellte Blogs in ihre Statistiken einbeziehen.
Zusätzlich erwarte ich eine Abflachung des Blog-Hypes und eine „Marktbereinigung“, bei der der Großteil von privaten Blogs das Zeitliche segnen wird.
Ich bin sehr zuversichtlich, dass durch diesen Aussiebungsprozess auf Dauer die informativsten und unterhaltsamsten Blogs übrig bleiben. Der Begriff „Blog“ wird sich zunehmend als Alltagswort im Internet etablieren und daher Koexistenz zu Wörtern wie „Website“ und „Homepage“ stehen. Die großflächige Entledigung von überflüssigen exhibitionistisch-voyeuristischen Privat-Blogs und der Vorstoß in die Normalität der „Netzbewohner“, wird Platz lassen für ein gesundes Maß von richtigen und wertvollen Blogs und ebenso für normale Homepages.